Das neue World Handicap System

Alles, was Sie darüber wissen müssen

Die (Golf-)Welt wird ein immer kleinerer Ort. Was liegt da näher als die sechs unterschiedlichen länderspezifischen Handicap- bzw. Vorgabensysteme zu vereinheitlichen. Die USGA (United States Golf Association) und die R&A haben in Zusammenarbeit mit den entsprechenden internationalen Organisationen das World Handicap System (WHS) entwickelt, um die Spielstärke aller Golfer weltweit auf einfache und faire Weise miteinander vergleichen zu können. So sollen Spieler verschiedener Spielstärke auf jedem Golfplatz weltweit spielen und gegeneinander in Turnieren antreten können.

Das WHS ähnelt in seiner Charakteristik stark dem jetzigen Handicap-System der USGA. Entsprechend ist die Umstellung in den USA unproblematisch, während Europa sich auf einige Änderungen einstellen muss. Das Grundprinzip ist zwar relativ einfach, die letzten Details für den Übergang vom in Deutschland gültigen EGA-Vorgabensystems zum WHS wurden jedoch erst kürzlich vom DGV geklärt. Dennoch möchten wir an dieser Stelle versuchen, die meisten Fragen zu erörtern und etwas mehr Klarheit in die Situation zu bringen. Und damit kommen wir gleich zur wichtigsten Frage:

Wann wird das World Handicap System (WHS) in Deutschland eingeführt?

Das WHS sollte eigentlich ab der Spielsaison 2020 weltweit eingeführt werden. Deutschland und andere Staaten haben dies jedoch auf 2021 verschoben, da erst im November 2019 der endgültige Text des WHS vorgelegt wurde, was nicht genug Zeit für die Programmierung und Schulung geboten hätte. Neben Deutschland gilt dies auch für die Niederlande, Österreich, Dänemark, Belgien, die Schweiz, sowie alle Staaten mit dem sogenannten CONGU (The Council of National Golf Unions) – Handicapsystem, also Großbritannien und Irland. Die endgültige Einführung erfolgt für den deutschen Golfsport ab 2021. Dabei kann man dann auch von den Einführungs-Erfahrungen z.B. in Frankreich und den USA profitieren, die den Schritt bereits in 2020 vollzogen haben. Im Jahr 2020 gilt das EGA-Vorgabensystem vollumfänglich weiter.


Die Änderungen im Überblick

Die Errechnung des Handicaps erfolgt beim WHS nach dem Durchschnitt der letzten maximal 20 vorgabenwirksamen Runden, oder weniger, wenn ein Spieler noch nicht so viele gespielt hat. Hierbei brauchen Spieler mindestens ein „handicaprelevantes“ (vorgabenwirksames) Ergebnis, damit sie ein Handicap erhalten. Der zur Berechnung herangezogene Index orientiert sich bei 20 Ergebnissen an den acht besten Scores. Liegen weniger Ergebnisse vor, ist auch die Anzahl der gewerteten Ergebnisse kleiner.

 

Das entfälltDas kommt neu
Incremental System
(schrittweise Hcp-Fortschreibung)
Average System
(Berechnung des Durchschnitts)
EGA-VorgabeWorld Handicap Index
Vorgabenklassen / Pufferzonen / Herab- und Heraufsetzungsmultiplikanden---
EDS-Runden nicht in Vorgabenklasse 1Registrierte Privatrunden mit Vorabregistrierung (wie EDS) für alle Spieler – Dies gilt in Deutschland bereits!
„9 Löcher vorgabenwirksam“ nicht in Vorgabenklasse 1 „9 Löcher handicaprelevant“ für alle Spieler – Dies gilt in Deutschland bereits!
Entscheidung, ob Turnier vorgabenwirksamTurniere generell handicaprelevant
--- Course Rating kann bei schlechtem Wetter angepasst werden

 Weitere Faktoren bei der Berechnung sind das Course Rating (Schwierigkeitsgrad des Platzes) und der Slope (Werte zur Umrechnung des HCP in das Playing Handicap) des Golfplatzes sowie die äußeren Umstände der Runde. Bei schlechten Witterungsverhältnissen ist der Course Rating Wert beispielsweise höher als unter normalen oder optimalen Platzvoraussetzungen. Aus diesen Aspekten ergibt sich ein sogenanntes "Playing Handicap" für den Spieler.

 

Das bleibt erhalten
Handicaps bis 54
Keine automatische Heraufsetzung bei Vorgaben > 26,5
Course Rating (CR- und Slope-Wert)
9 Löcher vorgabenwirksam
Privatrunden nur nach vorheriger Anmeldung vorgabenwirksam (EDS)
Handicaprelevante Spielformate (Zählspiel, Stableford, Maximum Score, Par/Bogey)

Der höchste Score, den ein Spieler sich beim WHS für die Handicapberechnung pro Loch verbuchen lassen darf, ist ein Netto-Doublebogey – also 2 Schläge mehr als man gemäß seinem Handicap für das jeweilige Loch benötigen sollte. Für die Turnierwertung zählt natürlich im Zählspiel immer noch jeder gespielte Schlag. Handicaps werden täglich aktualisiert, was bei uns auch schon immer so war.


Eine Beispielrechnung zum Bestimmen des World Handicap Index (WHI)

Die Basis für die Berechnung des Handicap-Index ist der so genannte Differenz-Score (Score Differential). Dieser ergibt sich aus dem Spielergebnis, dem Slope, dem Course-Rating des Platzes und dem Standard-Slope von 113. Die Formel ist der für die bisherige Spielvorgabe ähnlich:
 

Als Beispiel nehmen wir einen Par 72 Platz, mit einem Course-Rating von 71.5, einem Slope von 125 und ein gewerteten Bruttoergebnis von 96 Schlägen. Daraus ergibt sich folgende Berechnung:

Das Ergebnis wird auf eine Nachkommastelle gerundet, der Score Differential in unserem Beispiel beträgt also 22,2. Die letzten 20 Score Differentials werden zur Ermittlung herangezogen, wobei nur die besten acht Ergebnisse in die Berechnung eingehen. Der World Handicap Index (WHI) entspricht dem Durchschnitt dieser acht besten Ergebnisse.

Nehmen wir nun an, dass die acht besten Ergebnisse folgende waren: 22,2 / 24,8 / 23,7 / 20,5 / 21,3 / 30,1 / 24,3 / 22,4. Wir addieren diese Score Differentials also einfach und teilen das Ergebnis durch Acht. Daraus ergibt sich ein neuer Handicap-Index von 189,3 / 8 = 23,7.


Wie wird der WHI ermittelt, wenn ein Spieler weniger als 20 Score Differentials vorweisen kann?

Hat ein Spieler – vor allem zu Beginn seiner Golflaufbahn – nur wenige Spielergebnisse in seinem Stammblatt, wird der WHI trotzdem auf der Basis dieser Score Differentials berechnet. Für die Berechnung wurde folgende Vorgehensweise festgelegt

 

Anzahl Ergebnisse
im Stammblatt
Berechnung des WHI/Gewertete Score Differentials
1 - 5Das niedrigste Ergebnis bestimmt den WHI
6 - 8Durchschnitt aus den besten 2
9 - 11Durchschnitt aus den besten 3
12 - 14Durchschnitt aus den besten 4
15 - 16Durchschnitt aus den besten 5
17 - 18Durchschnitt aus den besten 6
19Durchschnitt aus den besten 7
20Durchschnitt aus den besten 8


Lässt sich die EGA-Vorgabe in einen World Handicap Index (WHI) umrechnen?

Es gibt keine Formel, die aus einer EGA-Vorgabe einen WHI machen kann, da die Berechnungsgrundlagen in beiden Systemen völlig unterschiedlich sind. Während in unserem heutigen System, die bestehende Vorgabe anhand des letzten Ergebnisses in Zehntelschritten angepasst wird, betrachtet das WHS, die Gesamtheit der letzten 20 Ergebnisse, und bildet aus den besten acht Ergebnissen einen Mittelwert. Das bedeutet, dass es passieren kann, dass zwei Spieler mit identischer EGA-Vorgabe zukünftig unterschiedliche WHI erhalten, je nachdem, wie sich jeweils die besten acht Ergebnisse aus den letzten 20 darstellen.

Das WHS legt mehr Wert auf die gegenwärtige Spielstärke als auf historische Leistungen. Wie lange exakt zurückgeblickt wird, ist im Moment noch Gegenstand von Beratungen zwischen den Nationalverbänden und der World Handicap Authority (zuständig für das WHS). Der DGV teilt die Idee, dass man nicht länger als drei bis maximal fünf Jahre zurückblicken sollte. Weiter zurückliegende Ergebnisse finden im Allgemeinen keine Berücksichtigung bei der neuen Berechnung oder Konvertierung. Ältere Daten finden nur dann Berücksichtigung, wenn dies notwendig ist, um auf 20 Ergebnisse zu kommen. Ein großer Anteil der Spieler kann aus den letzten drei bis fünf Jahren nur weniger als 20 Ergebnisse vorweisen. In solchen Fällen wird die aktuelle EGA-Vorgabe als „künstliches Ergebnis“ zu den anderen Ergebnissen ergänzt, so dass (gerade bei wenigen Ergebnissen wichtig) keine zu gravierende Abweichung des Handicap Index im Verhältnis zur EGA-Vorgabe vorkommt. Dieses bleibt für die folgenden 20 Runden im Stammblatt erhalten und findet Berücksichtigung bei der Berechnung des WHI.


Was geschieht mit der heutigen EGA-Vorgabe mit Einführung des WHS?

Aufgrund der anderen Berechnungsgrundlage des WHI wird dieser typischerweise nicht der aktuellen EGA-Vorgabe entsprechen. Weiterhin soll das Handicap die Spielstärke der Golfer sowie ihr Potential so präzise wie möglich abbilden. Die besten acht Ergebnisse aus den letzten 20 handicap-relevanten Runden (bisher: vorgabenwirksame Runden) zählen. Wenn ein Golfspieler jedoch keine Ergebnisse im Stammblatt hat, so wird seine gegenwärtige EGA-Vorgabe auch der künftige WHI sein.

Wer sich jetzt noch ausführlicher über die neuen Handicap-Regeln informieren möchte, kann sich hier die offiziellen Handicap-Regeln des DGV ab 2021 herunterladen.